Als ich gestern wieder bei Frau S. war, haben wir über meine verrücktspielenden Gefühle, von denen ich euch erzählt hatte, gesprochen. Die nächste Therapiestunde ist erst wieder in drei Wochen. Bis dahin muss ich unbedingt versuchen, die „Ich-muss-zugenommen-haben-und-bin-jetzt-dick-Gedanken“ nicht mehr zuzulassen.
„Es gibt immer gute und schlechte Zeiten. Man kann nicht immer gute Laune haben, das geht einfach nicht. Es scheint nicht immer die Sonne, manchmal regnet es auch. Doch der Regen hört irgendwann auf, sodass die Sonne wieder zum Vorschein kommen kann. Genau so ist das auch mit der Figur, mal fühlt man sich etwas zu dick, am nächsten Tag gefallen einem die eigenen Beine wieder“
Theoretisch klingt das alles immer so einfach und total logisch. Aber in der jeweiligen Situation fühle ich mich immer überfordert, die Sätze der Essstörung sind stärker als die von Frau S.
„Immer wenn irgendetwas in deinem Leben nicht perfekt läuft, zum Beispiel wenn du gestresst bist, ist der erste Gedanke, den du hast „Ich muss zugenommen haben“. Doch du darfst dich nicht immer weiter darein hineinsteigern, sondern musst dir klar machen, dass du nicht zugenommen haben kannst“
Mein Verstand sagt mir, dass ich nicht zunehme, wenn ich mal fast 2000 Kalorien gegessen habe oder mal nicht laufen war. Doch die Gefühle sind stark und sind sie einmal da, spuken sie in meinem Kopf herum und machen sich dort breit.
Und wie soll ich es in solchen Situationen schaffen, nicht in den Spiegel zu schauen und meine Beine zu begutachten? Seit über 2,5 Jahren schaue ich in gefühlt jeden Spiegel und in jede Glasfensterscheibe, die mir vor die Augen kommt, um meine Beine zu überprüfen. Zu Hause, in der Schule, in der Stadt, überall. Wie soll ich mir das von jetzt auf gleich abgewöhnen?
„Sich von diesen Gedanken zu befreien ist wirklich schwer, Marie, sehr schwer. Aber es liegt an dir, ob du sie zulässt oder nicht“
Damit ich auch wirklich immer an das Gespräch in der Therapie denke, habe ich mir bei Frau S. einen Stein aussuchen dürfen, den ich nun in der Hosentasche immer bei mir trage. Dieses Prinzip ist wirklich effektiv, denn allein heute hat mich der Stein immer und immer wieder an meine gestrige Therapiestunde erinnert.
Ich hoffe, dass das auch weiterhin so gut funktioniert und mein nächstes kleines Tief nicht so lange anhält.

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Das mit dem Stein ist eine wirklich schöne Idee deiner Therapeutin !
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Ach Marie, du kannst das schaffen. Das mit dem Stein finde ich auch eine gute Idee. Bleib stark, ja? :-**
AntwortenLöschenDu Gute, du! Eindeutig verändert sich da etwas bei dir! Und zwar zum Positiven! Die Idee mit dem Stein finde ich total klasse, ich hatte auch mal einen Ring, aber den habe ich mir noch vor der Therapie gekauft. Mittlerweile brauche ich den nicht mehr, aber es tut gut zu wissen, dass es ihn gibt. :)
AntwortenLöschenUnd was deine Beine angeht... Ich kann das wirklich nachvollziehen. Leider schaue ich auch in jeden Spiegel und jede Glasscheibe, aber dann auf meinen Bauch. Du musst dich da wirklich aktiv von entfernen und zwingen NICHT rein zu sehen, denn innerhalb von ein paar Minuten/ Stunden nimmst du ja nicht an den Beinen zu. Ich hab leicht reden, denn ich mache das nicht seit 2,5 Jahren und das ist ein verdammt langer Zeitraum. Aber wenn dich der Stein daran erinnert, dass du selbst etwas bewegen kannst ist das gut!
Schicke dir imaginär ganz viel Kraft,
XXX, Kazuha :*