Dienstag, 10. September 2013

Heute vor einem Jahr - Teil 3

Teil 1 könnt ihr HIER noch mal nachlesen, Teil 2 HIER.

„Du musst es aber wirklich wollen, gesund werden. Sonst bringt die Therapie überhaupt nichts“. Das waren die Worte, die mein Arzt zu mir sagte, als er mir den Zettel mit der Telefonnummer von Frau S. gab. Doch, ich wollte gesund werden, unbedingt. Denn mit der Zeit ging es mir immer schlechter. Alles, aber auch wirklich alles, drehte sich um Gewicht, essen und nicht essen. 200 Gramm mehr auf der Waage? Weltuntergang. Jeden Morgen stand mir beim Gang auf die Waage die Panik ins Gesicht geschrieben. Habe ich etwa zugenommen?
In der Nacht schlief ich schlecht und wurde fast jeden Morgen schon um 5.00 Uhr wach. Ich habe viel geträumt; von der Waage, meinem Gewicht, dem Tablettenmissbrauch.

An manchen Tagen missbrauchte ich die Tabletten meiner Mutter (meine eigenen hatten meine Eltern vorsorglich versteckt), bis das sie diese irgendwann an einem Ort verstaute, an dem sie sicher vor mir waren. Durch die Tabletten wurde ich nach und nach noch dünner. Schließlich zeigte die Waage nur noch 50 Kilogramm an. BMI 18. Somit war ich eindeutig untergewichtig. Zwar habe ich mich immer besser gefühlt, aber zufrieden war ich nie. Der Wunsch noch weniger zu wiegen, war immer da. Ich frage mich, bis zu welchem Gewicht ich gegangen wäre, wenn ich nicht rechtzeitig Hilfe bekommen hätte?
                                                           
Natürlich wurde ich mit der Zeit immer unglücklicher. Besonders die Wochenenden waren schlimm. Den ganzen Tag habe ich im Internet gesurft und mir bei youtube Dokumentationen über Magersüchtige angesehen (so stieß ich schließlich auf den allerersten Blog, den von Marlie Katha).
Ich konnte mich nicht auf die Schule konzentrieren und habe für die Kursarbeiten fast nichts gelernt. Während der Biokursarbeit konnte ich kaum klar denken, da ständig „Deadly beauty“ durch meinen Kopf dröhnte. Ich wollte das alles nicht mehr, ich wollte nur noch raus aus diesem Teufelskreis. Ein völlig normales Leben. Doch ich war gefangen

Der Gedanke, bald Hilfe zu bekommen, hat mich wirklich gerettet. Frau S. war meine letzte Hoffnung, sehnsüchtig wartete ich auf den ersten Termin bei ihr, der voraussichtlich Ende September stattfinden sollte.
Doch schließlich bekam ich einen Anruf, dass ich schon früher zu einem ersten Gespräch kommen könnte. Endlich, endlich, endlich, würde das Ganze ein Ende nehmen.
Am 10. September 2012 hatte ich mein erstes Gespräch bei Frau S.

  
Ich kann mich noch ziemlich gut an diese Zeit erinnern, außerdem schreibe ich seit über 1,5 Jahren Tagebuch und kann so jederzeit nachlesen, wie ich in die Essstörung hineingeraten bin, jedoch auch, wie ich es wieder zurück ins Leben geschafft habe.
Oft habe ich mich während meiner Fressanfallphasen gefragt, welche Zeit schlimmer war, die im August/September oder die wären meiner Fressanfälle im Januar/Februar. Es waren beides wirklich dunkle Zeiten und ich hoffe so sehr, dass ich nie wieder so etwas in der Art durchmachen muss.

Frau S. war mir wirklich von Anfang an sympathisch. Ich bin ihr einfach so unglaublich dankbar für alles. Sie hat mein Leben gerettet!
Vor einem Jahr hätte ich niemals geglaubt, dass ich jetzt, nach einem Jahr Therapie, wieder so glücklich und vor allem gesund sein werde. Ich bin vielleicht noch nicht vollständig geheilt, aber es hat sich einiges verändert, natürlich zum Positiven. Das macht ich einfach nur wahnsinnig glücklich. Danke!

Ich rate euch eins (wenn ihr es noch nicht getan haben solltet): Sucht euch Hilfe! Lasst euch darauf ein, damit ihr wieder zurück ins Leben finden könnt. Ein Leben mit Essstörung ist kein Leben, es bringt nichts als Zerstörung, Selbsthass, Wut, Tränen & Verzweiflung.
Glaubt an euch, ihr könnt es schaffen!

8 Kommentare:

  1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar.
    Dein Blog bzw dieser Text berührt mich sehr und ich möchte ihn gern einer Person empfehlen, die hier auch bei Blogger ist und noch arg zweifelt, ob sie Hilfe haben möchte, oder nicht.
    Liebe Grüße
    Lenchen <3

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  2. ich habs gelesen - jedoch ohne bereits eine ahnung zu bekommen darüber, wie du es wieder geschafft hast der sucht zu entkommen, aber persönlich is das natürlich au gar ne wichtig, ja, sondern nur das ergebnis. es würde mich jedoch erstaunen, wenn es vor allem an frau s. gelegen hätte^^.

    latein mündlich? das würde ich auch nich machen. sowas nennt man im fussball glaube ich, klassisches eigentor oder vorhersehbare niederlage.. gut, mathe is natürlich au ne geil, wenn man zumindest mit nervosität probleme hat..
    schön, wenn meine replik wenigstens einen titel trägt :P das schafft ja au ein bisschen persönliches oder so ähnlich ^^
    süß und salzig halt, muss man mögen - ich mag (au) beides, aber ausschließlich getrennt..
    was hast du nochmal trainiert? und nochmal ja, schule is relativ gesen der schönste (arbeits-)ort im leben!
    das freut mich sehr, wenn ich ein gutes vorbild sein kann (auch wenn die erkenntnis erst später eintrudelt ^^) und ja, langsam an die kälte gewöhnen, das war schon ein erster guter schritt. also ich war heute abend nach der arbeit laufen und es hat eine stunde lang ununterbrochen dauergeregnet, aber nich so tröpfeln sondern so richtig dreckig platzregenartig-.- das fand nichmal ich schön, alleinw egend er erkältungsgefahr. selbst ein dünnes funktions t-shirt frisst da wasser wie'n fass und ich wollt erst noch meine windstopper-jacke anziehn, wenn ma ungeduldig is und für ne jacke ne ein minute zurücklaufen will, musses au bestraft werden.. aber mein fauxpas/faulheit war gar nichts gegen unzählige läufer(innen) mit zwar jacke aber aus stoff! dümmer gehts also immer^^ das is dann dreimaleklig und aus 50kg gewicht werden da schnell 150kg ^^ naja, lange rede kurzer sinn, kälte is lange ne so schlimm wie regen, wolltsch damit nur anregen ;) danke au übrigens für deine zeit, ich weiß ja zumindest wieviel arbeit in so einem langen kommentar steckt :D

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  3. Du bist so ein starkes Mädchen! Und dein Optimismus geht nicht verloren. Ich wünsche dir weiterhin viel kraft gesund zu werden! Wo ein Wille ist ist auch ein Weg.
    Auserdem sehr mutig so offen über dein leben zu reden.

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  4. Wow, ich bewundere dich! Und ich möchte dir danken, dass du mir nocheinmal mehr klargemacht hast, das eine Therapie nichts schlimmes ist. Ich werde nämlich wahrscheinliche eine stationäre Therapie beginnen. :)

    Und du hast einen wirklich schönen Blog. <3
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, Juliette.

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  5. Wow, was für ein wunderbarer motivierender Post für alle, denen es ähnlich schlecht geht wie dir damals. Du zeigst hier so toll, dass man auch eine Essstörung überwinden kann - aber was ich auch schön finde, dass du betont hast, dass man es wollen muss und, dass du es unbedingt wolltest/willst. Und ich schreibs ja fast jedes Mal, du kannst so stolz auf dich sein, den Weg, den du in diesem Jahr bestritten hast, der bestimmt nicht immer leicht war. Wirklich toll!
    Ganz liebe Grüße ♥♥

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  6. Ich überlege die gabze zeit mir Hilfe zu suchen, aber ich hab die ganz zeit den Eindruck "naja, so schlimm is' es doch nicht!" Außerdem wüsste ich nicht, wie ich es meinen Eltern klar machen sollte!!
    Aber deine Gesxhichte zu lesen ist schokirend, schön und inspirierend zu gleich... Ich find's so schön dass du es so weit geschafft hast und anscheinend weiter machen willst!
    Wow.
    Grüße <3

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  7. Rutscht man nicht nur rein wenn man so sein will wie Models ? :/ oder wie bist du rein gerutscht ? :/
    Danke für dein tolles Kommentar ,war echt Sau nett :))

    Dein Post ist echt toll, und ich finds gut das du anderen auch sagst sie sollen sich Hilfe suchen , Sau toll von dir :)

    Liebste Grüße <3

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  8. Danke für dein liebes Kommentar.
    Ich bin ja schon zum sechsten Mal bei der Frau. Mal sehen wie es morgen wird.
    Liebste Grüße
    Lenchen <3

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Ich freue mich über jedes Kommentar ♥